Agape
Die Agape (griechisch αγάπη; lateinisch die caritas) bezeichnet ein griechisches Wort für Liebe, welches durch das Neue Testament auch außerhalb des Griechischen zum festen Begriff geworden ist, sich aber der Bedeutung nach (zeitlich schon vorher) deutlich von Eros, Stoika und Philia unterscheidet.
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Etymologie
Das griechische Verb agapao bedeutet 'sich zufrieden geben mit etwas' , aber auch 'jemanden mit Achtung behandeln, bevorzugen'. Plotin verwendete den Begriff für die herabsteigende Liebe: ein vom Subjekt ausgehendes, freies Tun, wodurch das Geringere erhöht wird, während die emporstrebende Liebe, Eros, ein Zustand des Bestimmtseins ist durch etwas, was nicht vom Subjekt ausgeht, und der Drang nach diesem etwas (in: Plotin, Enneades, 253-269).
Bedeutung
Jedesmal, wenn das griechische Wort Agape im Neuen Testament benutzt wird, bedeutet es ohne Ausnahme Gottes reine und göttliche Liebe. Ihr Charakteristikum: Agape ist die einzige bedingungslose, einseitige, befreiende, auf andere zentrierte Liebe, die es gibt.
Die tiefere Bedeutung des Wortes Agape ist im Deutschen nur zu erahnen: es bedeutet nicht direkt die Art der Liebe, die im deutschen Sprachgebrauch üblicherweise mit dem Begriff „Liebe“ verbunden ist, sondern vielmehr eine höhere Form davon, eine spirituelle und „metaphysische“ Verbindung zwischen Menschen. Bei Agape handelt es sich nicht um (exklusive) partnerschaftliche Liebe, sondern um eine (inklusive) gemeinschaftliche Liebe.
Die treffendste Beschreibung ist: Agape ist die uneigennützig schenkende Liebe. Oder (Zitat des Herrn): Agape ist uneigennützige Liebe, ohne den anderen für seine Zwecke missbrauchen zu wollen. Agape ist die hingebende Liebe dessen, der ausschließlich das Wohl des anderen sucht; das Wort „Eros“ hingegen meint die Liebe dessen, den ein Mangel bedrückt und der nach der Vereinigung mit dem Ersehnten verlangt. Die Liebe, mit der Gott uns umgibt, entspricht der Agape.[1]
Für Christen bedeutet das die Liebe zum Nächsten, die Liebe zu Gott über alles und die Liebe Gottes zu den Menschen. Es ist die allerhöchste der drei höchsten theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe, 1. Kor. 13,13. Agape ist die interessenlose Liebe, die sogar ihre Feinde liebt. Man vergleiche dazu die Worte Jesu am Kreuz: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“
In 1. Kor. 13, 1-13, auch bekannt als Das Hohelied der Liebe, gibt Paulus eine ausführliche Charakterisierung von Agape an.
Agape als Liebesmahlfeier
Der Apostel Paulus kritisierte im 1. Brief an die Korinther deren Praktik, dass jeder zur Agape (Liebesmahlfeier) nur noch selbst Mitgebrachtes aß und nicht mehr teilte, so dass Unterschiede zwischen den eigentlich gleichen Gemeindemitgliedern sichtbar wurden (die Gemeinde sah sich nämlich in Agape und Eucharistie als 'ein Fleisch', weil sie von dem 'einen Brot', dem Leib Jesu Christi, gekostet hatten).
In der frühen Kirche war die Agape ein Synonym für die Eucharistie. Hierbei brachten die Christen Lebensmittel und Wein mit, die gesegnet und dann gemeinsam verzehrt wurden. Damit erfüllte die Agape neben der rituellen Aufgabe auch eine karitative. Die Praktik der Eucharistie als Sättigungsmahl stammt wohl von den jüdischen Kiddusch-Feiern am Sabbat. Hierbei findet zumindest in liberalen jüdischen Gemeinden nach dem Gottesdienst noch eine Mahlzeit statt.
Heute bezeichnet man mit 'Agape' ebenfalls ein Sättigungsmahl der christlichen Gemeinde, beispielsweise im Anschluss an einen Gottesdienst.
Baptistische Liebesmahlfeier
Um den Zusammenhalt und die Gemeinschaft unter den ansonsten weitgehend autonomen Baptistengemeinden zu fördern, wurden in Anlehnung an die urchristliche Agape sogenannte Liebesmahlfeiern durchgeführt. In einer bestimmten Region luden einzelne Gemeinden die umliegenden Schwesterkirchen zu solchen Feiern ein. Besonders beliebt waren dabei staatliche Feiertage (Neujahr, 1. Mai, Tag der Deutschen Einheit etc.) sowie die kirchlichen Feiertage (Reformationsfest, Buß- und Bettag, 2. Weihnachtstag, 2. Ostertag, 2. Pfingsttag). Jede Gemeinde hatte ihren festen Liebesmahltermin und war an diesem Tag Gastgeberin für die anderen Gemeinden. Bei diesen Veranstaltungen spielten neben Predigt, Gebetsgemeinschaft und gemeinsamen Mahlzeiten persönliche Erfahrungsberichte aus dem Glaubensalltag eine bedeutsame Rolle. Nur wenige Baptistengemeinden halten heute noch diese Tradition aufrecht.
Weitere Bedeutungen
Der amerikanische Philosoph Charles S. Peirce nannte das von ihm aufgestellte Lebensprinzip der Liebe als Weg zur Überwindung der Selbstsucht und des Egoismus hin zu Harmonie und Fortschritt Agapismus.
Quellen
- ↑ Der Heilige Stuhl: Botschaft für die Fastenzeit 2007 21. November 2006
Literatur
- Heinrich Scholz, Eros und Caritas. Die platonische Liebe und die Liebe im Sinne des Christentums, Halle 1931
- Anders Nygren, Eros und Agape. Gestaltwandlungen der christlichen Liebe I, 1930, S.45-137
- Papst Benedikt XVI., Enzyklika "Deus Caritas est", 25. Dezember 2005 (veröffentlicht 25. Januar 2006)
- Nancy Missler, "The Way of Agape"
