Sexuelle Identität

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Sexuelle Identität wird häufig synonym für sexuelle Orientierung verwendet. Dies ist auch in der Rechtssprache der Fall. Umstritten ist, ob die Begriffe tatsächlich deckungsgleich sind.

Der Begriff Identität ist auf das Individuum bezogen während Orientierung auf eine andere Person gerichtet ist. Mit diesem Hintergrund wird deutlich, warum Sexuelle Identität im Gegensatz zu Sexueller Orientierung auch Transgender mit einschließen könnte und oft auch explizit so gemeint ist; dies ist aber umstritten. Darüber hinaus kann z.B. die Asexualität eine Identität sein; ob es eine Orientierung oder das Fehlen einer Orientierung darstellt, ist ebenfalls umstritten.

Sexuelle Identität kann auch viel umfassender sein als lediglich die Frage nach der Wahl des Geschlechts eines potentiellen Sexpartners. Ob Sex anonym, in Beziehungen oder sowohl anonym als auch in Beziehungen gelebt wird, die Häufigkeit des Verkehrs, und das Verständnis der eigenen Geschlechtsrolle spielen alle in der sexuellen Identität eine Rolle. Somit kann eine Entscheidung z.B. für die Ehe als Lebensform, in der die sexuelle Identität ausgelebt wird, oder eine Entscheidung für den Zölibat auch ein Teil der sexuellen Identität sein.

Berührungspunkte zwischen Transgender-Identität und nicht-heterosexuellen Identitäten

Es gibt zwar Berührungspunkte zwischen Menschen mit nicht-heterosexuellen Identitäten und Transgendern, sowohl in der politischen Arbeit als auch im Leben vieler Transgender (siehe dazu auch Heteronormativität und den Abschnitt Homosexualität und Transgender des Artikels über Homosexualität). Die jedoch ebenfalls bestehenden eindeutigen Unterschiede durch ein Subsumieren unter sexuelle Identität zu verwischen lehnen nicht nur Transgender ab, da Transgender keine Frage der Sexualität oder Partnerschaftswahl ist. Queer ist in dieser Hinsicht als Bezeichnung für Transgender problematisch, und auch LGBT ist nur als politisch zusammenfassende Bezeichnung der für die Anliegen ganz unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen eintretenden, sich dabei allerdings für den Abbau ähnlicher, ja teils derselben Vorbehalte einsetzenden AktivistInnen zu verstehen.

Fragwürdig ist es auch, wenn Intersexualität als sexuelle Identität aufgefasst ist, denn diese hat, trotz des Namens, wenig mit Sexualität, nichts mit Präferenzen im Bereich der Partnerschaft, und in vielen Fällen auch nichts mit Identität zu tun.

Transgender und Intersexuelle weisen darauf hin, dass sie zusätzlich dazu, Intersexualität bzw. Transgender zu sein, auch eine sexuelle Identität haben, es sich daher also um zwei verschiedene Dinge handle; Beispiele wären eine intersexuelle Lesbe oder ein schwuler Transmann.

Chance für Begriffsklarheit: "sex..." / "gender"

Die Begriffsverwirrung hat einen weiteren Ursprung, der älter ist als die Zusammenfassung grundlegend verschiedener Persönlichkeitsaspekte bzw. -konzepte unter Transgender: in dem von Karl Maria Kertbeny im 19. Jahrhundert geprägten und bereits von Sprachgelehrten seiner Zeit als missglückt bedauerten griechisch-lateinischen Ausdruck "homosexuell". Zur Verwechslung des lateinischen Worts für Mann mit der beabsichtigten Bedeutung des griechischen Adjektivs homós (= gleich) kommt die Verwendung der Basis für den zweiten Wortteil, Sexus (Geschlecht), mit dem Fokus auf die Bandbreite von Wunsch und/oder Bedürfnis über Lust bis Betätigung (d.h. Geschlechtlichkeit). Verkürzt: es ist eine Verschiebung von "was bin ich" zu "was will ich" / "wessen bedarf ich", womit Missverständnisse vorprogrammiert waren. Aufgrund fehlender (nicht als anstößig geltender) Ausdrücke verwendete auch die so genannte sexuelle Revolution diese Begriffsbedeutung, was die heutige Gebrauchsdefinition von Sex besiegelte.

Die aktuelle Begriffsentwicklung böte die Chance zur Entwirrung. Kurz und populär:

Sexualität/sexuell eben für Sex - aber Gender für Geschlecht(szugehörigkeit)

Das hieße, die Konnotationen von sexuell und Sexualität mit "Sex" im umgangssprachlichen Sinn zu akzeptieren, und stattdessen für Geschlecht (wie Frau / Mann / ...) konsequent den Ausdruck "Gender" zu verwenden. Zwei Termini entsprechen diesem logischen Konzept: "Transgender" als Überbegriff für - in diesem Sinn - eben nicht sexuelle, sondern geschlechtliche Identität, sowie der in öffentlichen Einrichtungen und für politische Programme inzwischen verbreitete Ausdruck "Gender Mainstreaming" für systematische Bestrebungen, der Gleichberechtigung von Frauen merklich näher zu kommen.

Statt von sexueller Identität, was Erklärungsbedarf verursacht, oder - noch schlimmer - nicht erkannte Missverständnisse bewirkt, könnte klar unterscheidbar einerseits von Geschlechtsidentität und andererseits von sexueller Orientierung die Rede und Schreibe sein. Allerdings lässt sich die Durchsetzung eines konsequenten Begriffsgebrauchs erfahrungsgemäß selbst mit noch so schlüssigen Argumenten nicht am grünen Tisch entscheiden. Auch bei zähen Bemühungen muss das Ergebnis also abgewartet werden.

Literatur

  • John Colapinto: As Nature Made Him: The Boy Who Was Raised As A Girl. Harper Collins. ISBN 0-06-019211-9
  • Anne Fausto-Sterling: Sexing the Body: Gender Politics and The Construction of Sexuality. Basic Books. ISBN 0-465-07713-7
  • Clellan S. Ford und Frank A. Beach: Patterns of Sexual Behavior. Ace Books, 1951.
  • Francis Mark Mondimore: A Natural History of Homosexuality. Johns Hopkins University Press. ISBN 0-8018-5440-7
  • John Money: Gay, Straight, and In-between: The Sexology of Erotic Orientation. Oxford University Press, 1988. ISBN 0-19-506331-7
  • Haig, D.: The inexorable rise of gender and the decline of sex: social change in academic titles, 1945-2001. (Archives of Sexual Behavior 33 (2004): 87-96.) (PDF)

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